Die klinischen Verlaufsformen

1. Die akute Form der Ileitis

Die akute Form der Ileitis (Porzine Hämorrhagische Enteropathie, PHE) entwickelt sich im Übergangsbereich vom Dünndarm zum Dickdarm. Betroffen sind meist der Endabschnitt des Dünndarms - also das Ileum - und die ersten Abschnitte des Dickdarms (Caecum und Colon).

Klinik der akuten Ileitis
Bei der akuten Ileitis handelt es sich um die hochgradige Form der Erkrankung mit einem sehr dramatischen Verlauf. Häufig beobachtet man Ausbrüche bei mehreren Schweinen einer Gruppe gleichzeitig. Meist geschieht dies kurze Zeit nach einer typischen Belastungssituation der Schweinegruppe, wie zum Beispiel nach einem Umtrieb in ein anderes Gebäude, nach Umstallung in eine neue Bucht, nach Eingliederung naiver Zuchttiere in die Gruppe, nach Umtrieb von Sauen in Deck- oder Warteställe, nach Transport von Gruppen. Verlustraten von 12 bis 50 % innerhalb betroffener Gruppen gelten als realistisch.

Ein zentrales klinisches Merkmal bei Schweinen mit akuter Ileitis ist der plötzlich einsetzende Durchfall mit rot-schwarzem, teerartigem Kot, der zu Verschmutzungen im Bereich der Hinterhand führen kann. Der Kot dieser Tiere ist breiig und ungeformt. Der Blutverlust über den Kot führt zu einer Anämie, die die betroffenen Schweine sehr blass erscheinen lässt.

Bei einigen Tieren fallen diese Symptome jedoch nicht auf, bis sie schließlich plötzlich verenden. In diesen Fällen wird der Landwirt erst durch Todesfälle in einer Mast- oder Jungsauengruppe auf die Erkrankung aufmerksam. Trächtige Sauen verferkeln in der Regel spontan. Aufgrund des höheren Alters der betroffenen Schweine und der hohen Mortalität hat die akute Form besonders starke ökonomische Auswirkungen für den Betrieb.

Auf einen Blick:

  • Verursacht durch Lawsonia intracellularis 
  • Betrifft Ileum, Caecum und Colon (Dünn- und vorderer Dickdarm) 
  • Starke Proliferation der Schleimhaut (hirnwindungsartig) 
  • Schwarzer, teerartiger, mit Blut oder Futterpartikeln durchmischter Durchfall-Kot 
  • Mortalitätsraten von 12 bis 50 % 
  • Alter der betroffenen Tiere: 3 bis 12 Monate (Jungsauen, ältere Mastschweine) 
  • Hohe Infektionsdosis bei naiven Schweinen

2. Die chronische Form der Ileitis

Die pathologischen Veränderungen der chronischen Ileitis (PIA, NE, RI) entstehen ebenfalls im Übergangsbereich vom Dünndarm zum Dickdarm. Betroffen sind wie bei der akuten Ileitis meist der Endabschnitt des Dünndarms, etwa im Bereich der hinteren 50 Zentimeter des Ileums, und die ersten Abschnitte des Dickdarms (Colon) einschließlich Blinddarm (Caecum). Das Ausmaß der proliferativen Veränderungen variiert sehr stark, aber bei weiter fortgeschrittenen Läsionen ist die Darmwand sichtbar verdickt und der Gesamtdurchmesser des Darms erscheint deutlich erweitert. Die betroffene Schleimhaut liegt in tiefen, hirnwindungsartigen Längs- und Querfalten. Aufgrund der proliferativen Verdickung der Schleimhautfalten wird diese Form der Ileitis auch als Porzine Intestinale Adenomatose (PIA) bezeichnet.

Wie sieht der Kot bei einem Schwein mit Ileitis aus?
Erkrankte Schweine entwickeln im Allgemeinen moderaten Durchfall mit ungeformtem, pastösem Kot physiologischer Färbung. In vielen Fällen ist der Kot breiig und erinnert in der Konsistenz an Rinderkot. Bei hochgradig erkrankten Schweinen wird der Kot zunehmend wässrig und nimmt eine dünnbreiige Konsistenz an. Unter Umständen enthält der Kot Anteile unverdauten Futters.

Bei einigen Schweinen mit Ileitis kann sich eine hochgradigere Form entwickeln, bei der es zu einer Sekundärinfektion mit Fusobacterium necrophorum, Actinomyces spp. oder Bacteroides spp. kommt. Die nekrotisierende Entzündung entsteht in solchen Fällen zusätzlich zu den chronisch proliferativen Veränderungen der Ileitis und überlagert diese. Diese Form der Erkrankung wird als Nekrotisierende Enteritis (NE) bezeichnet

Bei einigen wenigen Schweinen mit Ileitis wird die Ileumwand derb und fibrotisch, häufig atrophiert die Schleimhaut in diesen Fällen. Aufgrund der Fibrose in der Darmwand wird diese Form auch als Regionale Ileitis (RI) bezeichnet, sie ist insgesamt heute jedoch extrem selten geworden.

Klinik der chronischen Ileitis
Die chronische Ileitis zeigt sich im Stall mit zwei klinischen Hauptsymptomen: Durchfall und reduzierte Gewichtszunahme bzw. Auseinanderwachsen. Die chronische Form der Erkrankung betrifft Ferkel in Aufzucht/Flatdeck und in der Mast im Alter zwischen 6 und 20 Wochen.

Auf einen Blick:

  • Verursacht durch Lawsonia intracellularis 
  • Betrifft Ileum, Caecum und Colon (Dünn- und vorderer Dickdarm) 
  • Moderate (bis starke) Proliferation der Schleimhaut 
  • Moderater Durchfall mit ungeformtem, pastösem Kot physiologischer Färbung 
  • Erhöhte Variationen des Körpergewichts 
  • Alter der betroffenen Tiere: 6 bis 20 Wochen (Aufzucht- und Mastschweine)