Häufig gestellte Fragen

Zur Impfung

1. Wann wird geimpft?

  • spätestens drei Wochen vor dem Infektionszeitpunkt
  • Belastbarer Impfschutz 3 Wochen nach Impfung
  • In der Regel können die meisten Betriebe in der Aufzucht oder früher impfen.Ob in der Mast geimpft werden kann muss diagnostisch abgeklärt werden.

2. Warum wird der Impfstoff oral verabreicht?

  • Nur die direkte Stimulation des lokalen Darmimmunsystems sorgt für eine belastbare Immunität
  • Orale Lebendimpfung führt zur Bildung essentieller Abwehrstoffe sowie Abwehrzellen direkt am Ort des Infektionsgeschehens – im Darm.
  • Nur dann wird der natürliche Infektionsweg 1:1 nachgeahmt, was essentiell ist für eine hohe Wirksamkeit gegen Ileitis.

3. Wie wird dosiert?

  • 1 Impfdosis = 2 ml unabhängig von Alter und Größe der Schweine
  • Reduktion der Impfdosis schränkt den Impfschutz vorhersehbar ein!
  • Volle Dosis = Voller Schutz

4. Wie oft soll ich impfen? Wie lange hält der Impfschutz an?

  • Einmal im Leben eines Mastschweins (Schutz bis Mastende)
  • Erfahrungen aus Kanada zeigen, dass spätestens 3 Wochen vor der Feldinfektion geimpfte Jungsauen sowie geimpfte Altsauen nicht mehr an Ileitis erkranken
  • Empfehlung in Vermehrerbetrieben: nach dem Absetzen der Ferkel so früh wie möglich impfen sowie bei negativen Vermehrerbetrieben vor Auslieferung der Jungsauen Impfung einmalig boostern (da in negativen Betrieben die Boosterung durch den Felderreger entfällt!).

5. Wie schnell baut sich nach der Impfung ein voller Schutz auf?

Drei Wochen nach der Impfung ist ein belastbarer Schutz vor einer Lawsonien-Feldinfektion vorhanden

6. Kann ich den Impfstoff auch über das Futter verabreichen?

  • Der Impfstoff ist für die orale Applikation über Trinkwasser, Flüssigfütterung oder Drench zugelassen.

7. Was bringt eine Sauenimpfung gegen Ileitis?

Schutz von Sauen auf Betrieben, in denen klinische Symptome auftreten (plötzliches Verenden, Durchfall)Alle Sauen haben nach der Impfung den gleichen Immunstatus (bei 80% serologisch positiven Tieren sind immerhin 20% nicht infiziert)Eingliedern von geimpften Jungsauen ermöglicht den Aufbau einer komplett geimpften Herde rechtzeitig vor Kontakt mit dem Felderreger. Geimpfte Schweine scheiden weniger Felderreger aus, als nicht geimpfte Tiere.

WICHTIG:
Es steht immer die Impfung der empfänglichen Tiere im Vordergrund - seien es Mastferkel oder Zuchtferkel. Daher immer zuerst die Ferkel vakzinieren, und zwar zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Im zweiten Schritt dann auch an die Sauen denken.

8. Warum ist Chlor im Trinkwasser schädlich und im Magen kein Problem für den Impfstoff?

  • Die Neutralisation von Chlorresten im Trinkwasser erfolgt durch die Zugabe von Milch bzw. eines Wasserstabilisators:
    • über den Trog: fettarme Milch oder Vollmilch oder Wasserstabilisator
    • über Wasserleitung: entrahmte Milch (0,1 – 0,5% Fett) um eventuellen Fettablagerungen im Leitungssystem vorzubeugen
  • Unterschied zwischen Chlor im Magen und im Trinkwasser:
    • Im Magen als Chlorid-Ion unschädlich für den Impfstoff
    • Im Trinkwasser als bakterienabtötende hypochlorige Säure schädlich für den Impfstoff

9. Wie kann die Wirkung der Impfung gezeigt werden?

Ausschließlich durch die Auswertung der Leistungsparameter (nicht durch Serokonversion oder Schlachthofchecks)

10. Können auch Zuchttiere geimpft werden?

  • zahlreiche Studien mit trächtigen Sauen und Jungsauen belegen Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes
  • Zulassung in Europa umfasst auch Zuchttiere ab 3 Wochen (Zuchteber wurden nicht geprüft)

11. Welche spezifischen Vorteile hat die orale Impfung?

  • Stressfrei, unkompliziert und wenig Arbeitsaufwand
  • Aktive, lang anhaltende Immunität mit hoher Wirksamkeit
  • Hoher kosteneinsparender Effekt
  • Vakzine verhindert die umfangreichen negativen Effekte der Ileitis und führt deshalb zu Steigerung der Wachstums- bzw. Mastleistung.

12. Warum können auch mit dem Ileitisimpfstoff geimpfte Ferkel den Felderreger mit dem Kot ausscheiden (=positives Ergebnis bei einer Kotprobenuntersuchung auf Lawsonia intracellularis)?

  • Der Impfstoff stimuliert das Darmimmunsystem der Schweine, damit sie vor dem ubiquitär vorhandenen Felderreger geschützt sind.
  • Der Impfstoff tötet oder beeinträchtigt den Felderreger in keiner Weise.
  • Auch geimpfte Ferkel nehmen Lawsonien über das Maul auf und scheiden sie folglich auch mit dem Kot aus: das Entscheidende - sie werden nicht krank!

13. Kann ich Antibiotika mit dem Impfstoff kombinieren?

  • auf gleichzeitige Applikation von antibiotisch wirksamen Substanzen und dem Impfstoff muss verzichtet werden
  • 3 Tage vor und 3 Tage nach der Impfung keine antibiotisch wirksamen Substanzen verabreichen
  • außerhalb dieser Zeit gibt es keinerlei Einschränkungen.

Zur Durchführung 

1. Wie messe ich die Wasseraufnahme der Ferkel in einem vierstündigen Intervall?

a) Trogapplikation:

  • Kalkulation des Trinkwasserbedarfs anhand von Faustzahlen oder der in der Anwendungsempfehlung mitgelieferten Tabelle
  • z.B. 80 Ferkel à 12 kg -> 80 x 0,28 l = 22,4 l
  • 23 l in den Trog schütten, normale Trinkwasserzufuhr über Nippeltränken o.ä. abstellennach 4 Stunden Aufnahme des impfstoffhaltigen Wassers kontrollieren
  • wenn Wasser schon früher verbraucht oder nach 4 Stunden noch nennenswerte Restmengen vorhanden sind, Trinkwassermenge für die nächste Impfstoffapplikation anpassen.

b) Applikation über Dosiergerät:

  • Kalkulation des Stammlösungsvolumens, indem der Stammlösungsbehälter komplett gefüllt wird, der Wasserstand im Behälter markiert wird und nach vier Stunden der neue Wasserstand ebenfalls festgestellt wird
  • Differenz zwischen ursprünglichem Wasserstand und dem Wasserstand nach vier Stunden ist der Verbrauch = Bedarf der gesamten Impfgruppe in vier Stunden
  • Dieses Trinkwasservolumen ist die Menge, die am nächsten Tag mit dem Impfstoff versetzt wird.

2. Wie sieht es aus mit einer Impfung über die Flüssigfütterung aus?

Eine Applikation über die Flüssigfütterung ist grundsätzlich möglich und sollte in Betrieben mit Flüssigfütterung angestrebt werden, da Schweine bei dieser Form der Fütterung keine sicher kalkulierbarten Wassermengen saufen.

WICHTIG:
Genau wie bei der Trinkwasserapplikation dürfen keine Antibiotikarückstände in Leitungen und Anmischvorrichtungen vorhanden sein!

3. Warum wird über einen Zeitraum von 4-6 Stunden geimpft?

  • 4-6 Stunden sind ein Zeitraum, in dem in der Regel JEDES zu impfende Schwein (auch die rangniedrigen) Wasser in ausreichender Menge (= 1ID) aufnimmt
  • Der Impfintervall sollte keinesfalls verkürzt werden! Etwas längere Imfpintervalle (bis zu 6 Stunden) haben sich jedoch in der Praxis bewährt.

4. Was passiert, wenn nach vier Stunden nicht die gesamte impfstoffhaltige Trinkwassermenge aufgenommen wurde?

Die Wirksamkeit des Impfstoffes lässt vier Stunden nach Auflösen des Lyophilisats nach -> längere Impfintervalle sind zu vermeiden, dennoch ist natürlich eine Restaktivität vorhanden, die Impfung war nicht komplett unwirksam!!!

5. Was passiert, wenn bereits nach 3 ½ Stunden kein impfstoffhaltiges Wasser mehr im Trog bzw. der Leitung steht?

Je kürzer der Impfzeitraum, desto größer ist die Gefahr, dass EINZELNE Schweine keine volle Dosis aufgenommen haben, je näher das Impfintervall an die geforderten vier Stunden herankommt, desto höher ist der Anteil optimal immunisierter Tiere

6. Soll ich die Schweine dürsten lassen?

  • Nein, nicht notwendig, denn in 4-6 Stunden nimmt jedes Schwein eine ausreichende Trinkwassermenge auf
  • Nein, nicht vorteilhaft, denn Durst führt zu einer übermäßigen Trinkwasseraufnahme bei ranghohen Tieren, rangniedrige bekommen schließlich kein impfstoffhaltiges Wasser mehr

7. Kann ich geimpfte Tiere mit ungeimpften Tieren mischen?

  • Nicht zu empfehlen
  • Ungeimpfte Tiere leiden weiterhin unter den Folgen der Ileitis und werden das Mastleistungsergebnis der gesamten Gruppe negativ beeinflussen
  • Durch die Anfälligkeit der ungeimpften Tiere bleibt der Erregerdruck hoch und belastet den Impfschutz der geimpften Tiere extrem!

8. Kann ich bei einer Impfung über den Trog auch Magermilchpulver, Trockenmilch oder Milchaustauscher verwenden?

Bei Pulvern kann es zu Verklumpungen in der Wasser-Impfstoffmischung kommen. Das führt dazu, dass nicht die komplette Eiweissmenge frei zur Neutralisation zur Verfügung steht!

Wir haben unseren Impfstoff geprüft in entrahmter, fettarmer und Vollmilch und können hier aus eigener Erfahrung sagen, dass der Impfstoff stabil ist.

FAZIT: Beim Dosierer: entrahmte Milch, im Trog: entrahmte, fettarme oder Vollmilch!

9. Ist bei der Ileitis-Impfung mit Trinkwasser aus dem eigenen Brunnen der Zusatz eines Wasserstabilisators notwendig?

Wenn ich die Inhaltsstoffe nicht genau kenne, gibt der Wasserstabilisator mehr Sicherheit, allein deswegen sollte auf den Zusatz nicht verzichtet werden. 

Außerdem bietet der Zusatz eines Wasserstabilisators noch weitere praktische Vorteile:Der Wasserstabilisator färbt das impfstoffhaltige Wasser an, dadurch wird es für die Ferkel attraktiver und sie saufen es problemlos. Durch das bläuliche Wasser hat man immer einen genauen Überblick, in welchem Eimer, in welcher Gießkanne oder in welchem Trog gerade das impfstoffhaltige Wasser ist.

10. Der Verzicht auf Antibiotika drei Tage vor und drei Tage nach der Impfung – gilt das für alle Mittel, oder nur für solche, die gegen Lawsonien wirksam sind? Wie sieht es mit Injektionsbehandlungen aus?

Es geht um alle antibiotisch wirksamen Mittel! Das gilt auch für Präparate, die nur eine geringe Wirksamkeit gegen Lawsonien aufweisen und für diese Indikation überhaupt nicht zugelassen sind, denn auch Präparate mit nur geringer Wirksamkeit können einen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit dieses Lebendimpfstoffes haben! Bei Injektionspräparaten muss zudem die Wirkungsdauer (nicht zu verwechseln mit Wartezeit!) berücksichtigt werden. Eine Impfung darf erst nach Ablauf der Wirkungsdauer erfolgen. Unserer Erfahrung nach stellt es in der Praxis jedoch überhaupt kein Problem dar, zunächst eine notwendige Absetzbehandlung durchzuführen und anschließend – „antibiotikafrei“ zu impfen.

11. Können kombinierte Milchvieh- und Schweinebetriebe auch unbehandelte, betriebseigene Milch für die Trogapplikation benutzen?

Sicher – solange sie keine Hemmstoffe, also antibiotisch wirksame Substanzen, enthält!

12. Kann bei Trogapplikation auch Magermilch oder Molke statt entrahmter Milch eingesetzt werden?

Für die Überlebensfähigkeit der Lawsonien im Impfstoff ist – wie schon gesagt – das Milcheiweiß entscheidend. Da Molke nahezu kein Eiweiß mehr enthält, ist sie leider völlig ungeeignet. Magermilch enthält im Vergleich zu Vollmilch oder entrahmter Milch etwas weniger Eiweiß – über eine Erhöhung von 30 ml auf 40 ml Magermilch pro Liter Trinkwasser wäre dies aber ausgleichbar.

13. Wie stelle ich die Impfung aller Schweine sicher?

Absolute Sicherheit gibt es nicht, aber

  • Keine kranken Tiere impfen
  • Ausreichenden Zugang zu impfstoffhaltigem Wasser für die Schweine gewährleisten
  • Komplettes mind. 4-Stunden-Intervall zur Impfung einhalten

14. Kann ich bei der Applikation des Imfpstoffs über einen Trinkwasserdosierer auch Milch statt des Wasserstabilisators verwenden?

Normale Milch ist nicht geeignet, da der Fettfilm die Trinkwasseranlagen verunreinigen würde.. Wenn Milch verwendet werden soll, muss diese fettarm sein (< 0,9%). Wir empfehlen daher die Nutzung eines Wasserstabilisators!

Zur Diagnostik

1. Wie diagnostiziere ich Ileitis als Bestandsproblem?

  • über die Untersuchung von Blutproben zum Nachweis von Lawsonia intracellularis spezifischer Antikörper
  • Nachweis von Antikörpern belegt zuverlässig den Kontakt der Schweine mit dem Erreger
  • Zur Diagnose gehören das klinische Bild und der Erregernachweis

2. Worin liegen die Schwierigkeiten des direkten Nachweises von Lawsonia intracellularis aus Kotproben?

  • Nicht kontinuierliche Ausscheidung des Erregers
  • Höhepunkt der Ausscheidung zwischen Tag 7 und Tag 14 nach einer Infektion
  • Auch während des Höhepunkts der Ausscheidung sind nur 10 bis 40 % der Kotproben positiv

3. Soll das Therapieregime gegen andere Erreger zugunsten der Ileitis Impfung verschoben werden?

Nein, bestehende Therapieregime gegen andere Erreger sollten nicht zugunsten der Ileitis-Impfung verschoben werden.

4. Gibt es Lawsonia intracellularis beim Menschen?

Bei Menschen mit Darmerkrankungen wie Morbus Crohn konnte L. intracellularis trotz offensichtlich vielfältiger Übertratungsmöglichkeiten zwischen Schwein und Mensch bis heute nie gefunden werden und gilt deshalb nicht als Zoonoseerreger. Auch in der Literatur wurde eine Infektion beim Menschen nie beschrieben.

5. Was ist zu beachten, um bei der Impfung den optimalen Erfolg zu erzielen?

Die Diagnostik ist ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor. Nicht jeder breiige Durchfall oder jedes ungleichmäßige Wachstum müssen auf Ileitis zurückzuführen sein. Bei klinischen Formen mit Nachweis von Lawsonien sollte zudem abgeklärt werden, ob eventuell weitere Darmerreger beteiligt sind, wie z.B. Brachyspiren, Salmonellen oder E.coli.Grundsätzlich gilt: Bestehen Ileitisprobleme im Bestand, hilft nur die Ileitis-Impfung, diese Probleme nachhaltig zu kontrollieren.

6. Faktoren, die den Impfzeitpunkt beeinflussen oder bestimmen:

  • Ferkel müssen bei Trinkwasserapplikation selbständig und in ausreichenden Mengen Wasser aufnehmen! Das ist am Tag des Absetzens oder der Ankunft im neuen Stall nicht gegeben!
  • Antibiotika müssen drei Tage vor der Impfung abgesetzt worden sein; wenn nicht bekannt ist, ob der Ferkellieferant noch bis zum Transport Antibiotika eingesetzt hat, frühestens drei Tage nach Anlieferung der Schweine impfen
  • Mindestens 3 Wochen vor Erregerkontakt impfen

7. Bei einer Blutuntersuchung in meinem Bestand sind bei Tieren Antikörper gegen Lawsonia intracellularis gefunden worden, aber ich sehe keinen Durchfall. Was bedeutet das?

In Ihrem Bestand sind die Tiere von der subklinischen Form der Erkrankung betroffen. Diese führt zu ungleichmäßigem Wachstum sowie schlechteren Tageszunahmen und einer schlechteren Futterverwertung.