Die diagnose

Ileitis - einer Krankheit (labordiagnostisch) auf der Spur

Bei labordiagnostischen Verfahren, muss grundsätzlich zwischen dem direkten Nachweis des Krankheitserregers (Bakterium oder Virus) und dem indirekten Nachweis von Antikörpern gegen einen Erreger unterschieden werden. Angestrebt wird - sofern möglich - der direkte Nachweis. Betrachtet man jedoch Erreger wie zum Beispiel Lawsonia intracellularis, den Auslöser der Ileitis, so ist der direkte Nachweis aus dem Kot sehr schwierig. Das Bakterium wird nicht kontinuierlich mit dem Kot ausgeschieden, so dass zwar jeder positive Nachweis aus dem Kot Beweischarakter hat, jedes negative Ergebnis bei einer Kotprobenuntersuchung jedoch keine Sicherheit gibt, ob die Tiere wirklich nicht infiziert sind. Ein negatives Ergebnis kann sich auch ergeben, wenn zum Zeitpunkt der Probenentnahme zufällig kein Erreger ausgeschieden wurde.

Die höchste diagnostische Aussagekraft haben Sektionen in Verbindung mit pathohistologischen und immunhistologischen Untersuchungen. Sie bieten die Möglichkeit, zum einen die typischen Ileitis bedingten Darmveränderungen zu erkennen sowie zum anderen unmittelbar im veränderten Gewebe einen Nachweis des Bakteriums zu führen. Hier ist der Erreger - sofern eine Ileitis vorliegt - sicher nachzuweisen.

Diagnostik im Mastbestand
Für die Diagnostik in einem Mastbestand bietet sich der Nachweis von Antikörpern gegen Lawsonia intracellularis im Blut der Tiere an. Blutproben sind leicht zu entnehmen und daher in der Routinediagnostik ein gut geeignetes Probenmaterial. In nachstehender Abbildung ist ein Schema dargestellt, dass sich sehr gut eignet, einen Mastbestand - unabhängig von der Bestandsgröße - zu testen. Dabei werden zeitgleich Blutproben von Tieren unterschiedlicher Altersgruppen gezogen.

Auch andere Durchfallerreger beachten!
Bei akutem Durchfallgeschehen sollten neben der gezielten Untersuchung auf Vorliegen einer Ileitis stets auch Kotproben entnommen und auf andere Erreger untersucht werden, die ggf. auch noch eine Rolle als Durchfallerreger im Bestand spielen könnten (z.B. E.coli, Brachyspiren, Salmonellen, PCV2,.). Dazu werden mind. 3 Proben von unbehandelten Tieren, die die typischen Durchfallsymptome zeigen, aus dem Darm entnommen und als Einzelproben untersucht (Bakteriologische Untersuchung, PCR, ggf. Virologie).

Herausforderung: Labordiagnostik bei Ileitis-geimpften Schweinen!
Wie kann man nun bei Tieren diagnostisch vorgehen, die mit einem Impfstoff gegen Ileitis geschützt worden sind, und dennoch an Durchfall erkranken?

Ziel einer Impfung ist das Verhindern der für die Krankheit typischen Symptome. Auch in Beständen, die gegen Ileitis Impfen, ist weiterhin der Ileitis-Erreger zu finden, da auch geimpfte Schweine ihn über das Maul aufnehmen. Er ist somit auch im Kot nachweisbar. Durch die Schutzimpfung erkranken die Tiere jedoch nicht. Bei geimpften Schweinen, die z. B. wegen E.coli oder Dysenterie Durchfall zeigen, kann in Kotproben möglicherweise gleichzeitig auch der Ileitiserreger nachgewiesen werden. Die eigentliche Durchfallursache ist in diesem Fall jedoch E.coli oder der Dysenterie-Erreger. Der Lawsonien-Nachweis ist bei geimpften Schweinen nicht ausreichend für eine Diagnose.

Genauso wenig Aussagekraft im Bezug auf eine funktionierende oder fehlgeschlagene Impfung hat der Nachweis von Antikörpern im Blut. Die gemäß Herstellerangaben durchgeführte Impfung mit dem Ileitisimpfstoff führt in der Regel zu keiner mit dem ELISA nachweisbaren serologischen Reaktion. Stattdessen reagiert das lokale Immunsystem des Darmes und stellt an der Darmschleimhaut lokal eine schützende Infektionsabwehr bereit. Dies ist in der Routinediagnostik jedoch noch nicht nachweisbar.

Egal ob geimpft oder ungeimpft - sobald sich Schweine im Laufe ihres Lebens mit dem Ileitis-Felderreger auseinandersetzen, bildet ihr Immunsystem Antikörper, die im Blut nachweisbar sind. Diese Antikörper haben, soweit man heute weiß, keinerlei schützende Wirkung, sie können jedoch in der Labordiagnostik ausgenutzt werden. Sie sind nämlich ein gutes Anzeichen dafür, dass der Ileitiserreger im Bestand vorkommt und die Tiere bereits Kontakt mit dem Erreger hatten. Anhand der Antikörperspiegel im Blut kann folglich keine Aussage getroffen werden, ob die Schweine geschützt sind oder nicht. Genauso wenig kann daraus geschlossen werden, ob sie geimpft wurden oder nicht.

Den korrekten Impfzeitpunkt überprüfen
Sehr hilfreich ist der Nachweis von Antikörpern im Blut bei der Überprüfung des korrekten Impfzeitpunktes und des in den Betriebsablauf passenden Impfschemas. Werden Schweine gegen Ileitis geimpft, so ist der Impfschutz spätestens 3 Wochen nach der Impfung belastbar. Belastbarer Impfschutz bedeutet, dass die geimpften Tiere bei einer Infektion mit dem Felderreger nicht erkranken. Dies bedeutet aber, dass geimpfte Ferkel in einem Bestand erst 3 Wochen nach dem Impfzeitpunkt eine belastbare Immunität aufgebaut haben und erst dann vor einer Ileitis geschützt sind. Infizieren sich die Ferkel vor diesem Zeitpunkt, sind sie noch nicht in der Lage, die erregerbedingten Darmschäden zu verhindern. Die Folgen der Infektion sind dann durch die Impfmaßnahme nicht zu vermeiden. Um sicherzugehen, dass die Impfmaßnahme zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird, reicht es, 10 Blutproben 6 Wochen nach dem geplanten Ileitis-Impfzeitpunkt zu entnehmen.

Wichtig ist, dass keine dieser Blutproben ein positives Ergebnis liefert!

Was aber soll man tun, wenn der Impfzeitpunkt nachgewiesenermaßen korrekt gewählt ist, und im Stall bei geimpften Tieren Symptome zu beobachten sind, die auf eine Ileitis schließen lassen?

In solchen Fällen hilft eine Sektion der Tiere weiter. Es ist jedoch wichtig, dass über das Begutachten der Organe hinaus durch den Pathologen noch Proben von (verändertem) Darmgewebe entnommen werden. Dieses Darmgewebe wird dann von erfahrenen Pathologen unter dem Mikroskop beurteilt (Histologische Untersuchung). Bei dieser Untersuchung kann man anhand der typischen Veränderungen verschiedene Krankheiten voneinander unterscheiden. Es gibt in wenigen Fällen die Möglichkeit, dass andere Erreger (z. B. PCV2) zu Veränderungen (verdickte Darmschleimhaut und Blutungen in das Darmrohr) führen, die mit bloßem Auge auch in der Sektion nicht von einer Ileitis unterschieden werden können. Außerdem besteht die Möglichkeit, die verschiedenen Erreger im Gewebeschnitt ganz gezielt anzufärben, und damit eindeutig zu identifizieren. So kann man schließlich auch bei geimpften Tieren zu einer eindeutigen Diagnose kommen.

Wir fassen zusammen:
Lawsoniennachweis bei ungeimpften Schweinen:

  1. Sektion: typische Veränderungen und Nachweis des Erregers im Gewebe per PCR oder IHC 
  2. Blutproben: Nachweis von Antikörpern als Beleg, dass der Erreger im Bestand ist 
  3. Kotproben: Nachweis des Bakteriums; im positiven Fall beweisend für eine Infektion, im negativen Fall kein Ausschluss einer Infektion


Lawsoniennachweis bei geimpften Schweinen:

Kot- und Blutproben haben keine Aussagekraft, da die Impfung keinen deutlichen Einfluss auf die Befunde in einem positiven Bestand hat. Ebenso ist die reine Sektion ohne Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop nicht zielführend, da die Veränderungen nicht spezifisch genug sind.

In jedem Fall sollte die labordiagnostische Abklärung auch andere Durchfallerreger (E.coli, Salmonellen, Brachyspiren, PCV2,.) umfassen.